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Die lange Reisevorbereitung hatte sich bezahlt gemacht und es ging endlich mit Emirates Airline von München via Dubai nach Jakarta.
Nach einem Kennenlernen der 11 Reiseteilnehmer am Franz-Josef-Strauß-Flughafen meisterten wir die ca. 15 Stunden Flug nach Jakarta. Dort angekommen fehlte schon mal gleich der wichtige Spendenkoffer mit all den Hilfsgütern. Er war in Dubai geblieben, wurde nach einiger Bürokratie aber tatsächlich später nachgeschickt.
Mit drei Taxen machten wir uns auf den Weg - alle in verschiedene Richtungen. Die eine Gruppe wartete nun Stunden auf uns am Zoo, während wir uns in der Aula eines Hotels etwas verlassen vorkamen. Letztlich trafen aber alle dort ein und nach einem anstrengenden Flug konnten wir nochmal eine Nacht in einem recht luxuriösen Hotel in Jakarta übernachten. Der Lärm dort auf den Straßen ist unbeschreiblich. Es wird mehr gehupt als gefahren und da wir auch noch zum Ende des Rammadans dort waren, gab es die ganze Nacht hindurch eine große Knallerei. Zudem rief aus jeder Haustür lautstark der Muezin - stilecht vom Tonband!
Am nächsten Morgen machte sich schnell die Temperaturumstellung bemerkbar, sowie man das klimatisierte Hotel verließ. Wir warteten auf unsere Taxen, die uns zum Flugplatz zurückbrachten. Unser Flug sollte um 9:00 starten und so hatten wir noch Gelegenheit, Willi Smits dort zu treffen, der am gleichen Tag zurück aus Melbourne auch dort landete. Wir unterhielten uns in einem Restaurant sehr angeregt und waren sehr gespannt über die Fortschritte von BOS, über die Willi ausführlich berichtete.
Dort angekommen - es war in der Tat noch wärmer! - wurden wir von Jo-lan abgeholt und ins Büro von BOS gefahren. Wir hatten ein 5seitiges Formular auszufüllen (Indonesien hatte die Einreisebe- stimmungen verschärft) und mussten für ein Paßfoto vor rotem Hintergrund posieren. Nun waren wir polizeilich gemeldet und bekamen kurze Zeit später unsere "permission", das Land zu bereisen.
Schon dort fielen mir die Katzen mit den verstümmelten Schwänzen auf - eine Eigenart der Indonesier, ihr Tier zu kennzeichnen.
Ich wusste nicht wirklich, was mich erwartete und war umso faszinierter, daß wir schon am Anfang der Reise mitten im Orang Utan-Kindergarten standen. Die Leiterin, Lone Dröscher-Nielsen, empfing uns herzlich und wir durften vom Bürogebäude aus den kleinen Rotpelzen beim Toben, Klettern und Quatschmachen zusehen. Man hätte stundenlang zusehen können, es wäre nicht langweilig geworden.
Erstaunlich war, daß das Gelände direkt am Wald lag und alle Orangs sich dort frei bewegen konnten. Sie kletterten im Wald umher, einige Verschmuste wichen den Pflegerinnen nicht von der Seite und andere überlegten sich Taktiken, wie sie unbemerkt an uns heran kommen konnten. Der Kontakt zu den Orangs ist berechtigterweise streng verboten, damit wir keine Krankheiten übertragen können. Neugierig wie sie sind, waren aber einige stets daran interessiert, uns zu inspizieren, denn so häufig kommt dort kein Besuch hin. Sie wurden aber bei jedem Versuch wieder von einer Pflegerin "abgefangen" und waren dann regelrecht beleidigt!
Gegen 16:00 gab es eine verdiente Mahlzeit aus Früchten und Milchbrei für die Kleinsten. Plötzlich kamen aus allen Winkeln und Ecken noch mehr Rotpelze und schwangen sich in aller Ruhe über die Äste und Dächer hin zum großen Futtertopf. Wie kleine Kinder standen alle drumherum und angelten sich dabei mit ihren langen Armen äußerst gesittet das Beste heraus.
die von einer Familie am 1.Juli 2002 konfisziert wurde. Es ist unklar, ob sie ihr Augenlicht in einem Versuchslabor oder durch eine nicht behandelte Infektion verloren hat. Bei ihrer Ankunft war sie ca. 3,5 Jahre alt und wog gerade mal 10,5kg. Keke war für die BOS-Mitarbeiter eine neue Herausforderung, da sie anfangs nicht wussten, ob Keke jemals wieder in die Freiheit zurück kann. Jetzt hat sie es allen gezeigt und ist die beste und aktivste Kletterin vor Ort. Außerdem hat sie alle super im Griff und machte sich einen Heidenspaß daraus, eben nicht zum Futtern zu kommen. Sie wollte lieber in unserer Nähe bleiben, weil sie die vielen Leute und Geräusche sehr interessant fand, und hat sich immer lachend auf den Boden geworfen, wenn eine Pflegerin sie mit zum Essen nehmen wollte.
Sie hat Lone aufgefordert, sie durchzukitzeln und hat sich dabei gekugelt vor Lachen. Ja, im Ernst, Keke hat lauthals gelacht! Und "gewonnen" auch noch, denn nun wurde ihr das Futter auch noch gebracht ;) Keke hat ein sehr inniges Verhältnis zu Lone und verlangte ständig nach Küssen und Aufmerksamkeit. Gerne durfte Lone ihr auch die Füße massieren! Aus der hageren schüchternen Keke ist eine selbstsichere Orangdame geworden, die es liebt, Pirouetten zu drehen, Pflegerinnen zu jagen oder mit ihren Freunden auf dem Rasen zu sitzen.
Während sich alle um Keke kümmerten, nutzte Bali, ein junger Orang-Mann, die Gelegenheit, um uns näher zu kommen. Schnell wurde er von Jo-lan abgefangen und alberte mit ihr herum. Bali ist ein kleines rotes quietschvergnügtes Pelzmonster - was aber nicht immer so war: Als er in die Station kam, hatte er hohes Fieber, eine vereiterte angeschwollene Hand und mehrere Bleikugeln im Körper. Lone stand vor dem Problem, wo man ihn operieren lassen kann, denn das ist in Indonesien nicht so einfach. Schließlich konnten die enstprechenden Papiere zusammengestellt werden und er wurde nach Jakarta in eine Klinik geflogen, wo die Bleikugeln aus Arm und der Lunge entfernt werden konnten. Bali hat die OP meisterhaft überstanden.
Ähnliche Schicksale haben all die anderen Orang-Kinder erlitten, doch war es für meinen Verstand zu viel, an diesem Tag noch mehr zu erfahren.
Eher tragisch war die Entdeckung einiger nachtaktiver Hausgeckos an einem klebrigen Wasserrohr. Die Tiere klebten dort fest und waren zum Verhungern verurteilt. Helmut knibbelte den ersten vorsichtig ab und wir versuchten, die Haftlamellen mit Wasser zu reinigen. Dieses führte zu keinem Erfolg - bis jemand die Idee hatte, die kleinen zu "panieren". Ja richtig, die Geckos wurden in Mehl gewälzt und plötzlich sprangen sie aus eigener Kraft wieder heraus und liefen die Wände entlang. Das Rohr wurde entschärft und kostet nun keinem Tier mehr das Leben.
Unter anderem fand ich noch eine verstaubte grüne Stabheuschrecke unter meinem Bett und abends betrachteten wir die riesigen Spinnennetze mit den im Verhältnis kleinen Bewohnern. Nachts gab ein Frosch sein Konzert zum Besten... hörte sich fast an wie meine Korallenfinger. Wer weiß, vielleicht ein indonesischer Korallenfinger? Hätte ich zu gerne gesehen, aber nachts ohne Licht durch ein Moorgebiet zu wandern, war nicht mein Fall.
Am nächsten Morgen wurde ich vom lauten Gekecker meiner Zimmergeckos geweckt. Wow, von Geckos geweckt zu werden, welch unbeschreibliches Gefühl!!!
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