Meine Reise nach Borneo, März 2007
 

In der Krone eines Baumriesen bewegen sich ein paar Zweige. Rötliches Fell wird zwischen den Blättern sichtbar, verschwindet, taucht wieder auf. Vorsichtig schiebt sich der mächtige Körper eines imposanten Männchens an einem kahlen Stamm hinab, um uns besser beobachten zu können. Es ist Zorro - anderthalb Meter groß, ca. 80kg schwer, der Patriarch unter den Primaten auf Katja Island.

Aber beginnen wir beim Anfang: Am 3. März 2007 treffen sich fünf Orang Utan-Begeisterte in Dubai, um die gemeinsame Reise nach Indonesien anzutreten: unser bewährter Reiseleiter Helmut Huber, unser Tierarzt Dr.Peter Wiesmiller, Animateur Bernhard Duschl, die rasende Reporterin Cornelia Wendt und Fotografin Katrin Pein alias Blaubär. Acht Stunden später wurden wir etwas erschöpft von Willie Smits am Flughafen von Jakarta in Empfang genommen. Mit im Flieger saßen noch drei weitere Orang Utan-Fans aus Kassel: Bianca, Simone & Martin. Mit ihnen werden wir einige Tage gemeinsam verbringen. Mita, die perfekt Deutsch sprechende Indonesierin, fährt uns in unser alt bekanntes Hotel Maharani. Den Abend lassen wir im hoteleigenen Restaurant bei Hühnersuppe und Toastbrot ausklingen.

Um 5:30 Uhr ist die Nacht vorbei. Gut gestärkt geht es ins größte Primatencenter der Welt im Ragunanzoo von Jakarta. Ca. 2 Stunden verbleiben uns in absoluter Stille, bis um 9 Uhr die ersten Besucher kommen. Willie führt uns vorbei an den naturnahen riesigen Gehegen, der Bibliothek, dem Informationszentrum und der Ausstellung. Hier wird die indonesische Bevölkerung über die Lebensweise und der Bedrohung der Primaten wie Gibbons, Siamangs, javanischer Silbergibbon und Orang Utans aufgeklärt. Gleichzeitig sind alle Gehege so aufgebaut, daß der Besucher sich gefangenfühlen soll und erlebt, welche Ängste ein Tier in Gefangenschaft erfährt.

Langsam füllt sich der Zoo und wir machen uns mit zwei Wagen auf den Weg nach Gadog, einer Wildtier-Auffangstation in Bogor (Java). Bogor liegt einige Meter höher als Jakarta – es ist angenehm kühl, recht sauber und sehr grün. Die Station beherbergt viele verschiedene Wildtierarten wie Kakadus, Papageien, Pfaue, Silbergibbons, Malaienbären und mir gelingt sogar ein Foto von einem nachtaktiven, aber neugierigen Plumplori.

Ein überwältigender Regenguß zwingt uns auf die Terrasse, wo Willie uns von der katastrophalen finanziellen Lage der gesamten Stationen berichtet...

Weiter führt uns die Tour in das Sar Vision-Centrum, von wo aus das Monitoring per Satellit von Schutzgebieten, die Beweisführung gegen illegale Holzfäller und die Kartierung von Ölpalmplantagen möglich ist.Zwischendurch gehen wir in einem noblem „Restaurant“ essen, wo uns Kuhhaut, Füße, Schafshoden und leckere Maisbällchen serviert werden. Die Königin von Sulawesi und Frau von Willie leistet uns hier mit ihren Bodyguards Gesellschaft.



Der 5. März beginnt für uns wieder um 5:30 Uhr. Wir fahren mit dem Auto nach Benjarmasin, von wo wir weiter nach Palang Karaya fliegen und dort im BOS-Office Yanti und die gesamte Crew treffen. Helmut überreicht ihr einen Laptop, der auf ihrer Wunschliste ganz oben stand.

Im Anschluß werden wir in die Station Nyaru Menteng zu Lone gebracht. Hier werden die zahlreichen kleinen Orang Utan-Babys auf ein Leben in Freiheit vorbereitet. Wir blicken auf ca. 150 Waisen, die alle auf brutale grausame Art ihre Mütter verloren haben und nun Zuflucht in Lones Station gefunden haben. In jedem Baby sehen wir mindestens 5 tote Orangs, die ihr Leben lassen musste, bis ein einziger die Station erreicht.

Ein Blick durch die angelehnte Tür der Klinik zeigt uns einen am Tropf hängenden kleinen Orang Utan, der unter schlimmer Malaria leidet und am nächsten Tag ins Koma fällt...

Nicht weit entfernt von der Station befindet sich Eco-Village, ein Holzhüttencamp, in dem wir die nächsten beiden Nächte verbringen werden. Den Abend erleben wir mit Lone bei ausgezeichnetem Essen und niederschmetternden Gesprächen. Auch Nyaru Menteng steht kurz vor dem Aus, weil die finanziellen Mittel nicht mehr reichen.

Peter, unser Tierarzt, kann Lone an diesem Abend eine riesige Menge benötigter Medikamente überreichen, für deren Einfuhr Peter und Helmut glatt ein paar Jahre im Gefängnis hätten verbringen können, da Narkosemittel unter das Rauschgiftmittelgesetz fallen. Dank an Peter für diese super Spende!


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