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FLATSCH – Das ist alles, was man von den abstrakten Nasenaffen hört, wenn sie sich von einem 20m hohen Baum selbstmörderisch ins Dickicht der Uferböschung fallen lassen. Aus Schwindel erregender Höhe lassen sie sich einfach fallen, ihre Nase formt die typische Silhouette in der Abenddämmerung.
Von Fotografen wird hier Höchstleistung gefordert, denn immer wieder sind die Affen nur für Sekunden während ihres Sturzes zwischen dem Blätterdach zu sehen.
Wir sind angekommen – im Herzen Borneos sitzen wir auf einem wackeligen Boot und treiben in einer Brühe aus Wasser, Schmutz und Abfall.
Ende Februar starteten wir wieder zur Insel der Superlative im südchinesischen Meer. Als drittgrößte Insel der Welt beherbergt Borneo die ältesten und artenreichsten Regenwälder der Welt und 85% der letzten Orang Utan-Bestände. Meine Freundin Doris begleitet mich dieses Mal und gemeinsam geht es zum Flughafen Düsseldorf, wo wir auf sehr nette Zollbeamte treffen, die uns aufklären, daß man 500g medizinische Salbe nicht mit ins Handgepäck nehmen darf, denn man könnte ja eine Bombe daraus bauen... es sei denn, man packt die Salbe dort drüben in der Apotheke in 5x100ml-Gefäße um?!
Ca. 7 Stunden später befinden wir uns in Dubai, dem Flughafen mit den wohl unterschiedlichsten und zahlreichsten Kulturen auf kleinstem Fleck.
Hier treffen wir Helmut Huber von »Fans for nature« sowie Fritzi und Marion und trinken einen letzten Latte Macchiato, bevor es gemeinsam weiter nach Jakarta geht.
Nach 8 weiteren Stunden empfängt uns die schwüle Hitze Indonesiens und ein mürrischer Zollbeamte, der im Akkord die Pässe der Einreisenden stempelt.
Unsere Gesichtszüge entspannten sich, als auch unser letzter Koffer das Fließband passierte und mit einem fröhlich strahlendem Lächeln ging es durch die letzte Kofferkontrolle.
Wir fuhren ins nahe gelegene FM7-Hotel und wurden empfangen von einem rosa dekorierten kitschigen Glitzerbäumchen und einer beleuchteten Theke. Nach einer kurzen Erfrischung auf unserem Zimmer trafen wir uns zum Abendessen in der Lounge – und ja, ich war wieder in Indonesien, denn ich bekam garantiert nie das, was ich bestellt hatte.
So wollte ich gerne einen Eistee ohne Eis(-würfel) haben – und was ist das im logischen Umkehrschluß? Ein heißer Tee! Genau!
Die Nacht kämpften wir ein wenig mit der Klimaanlage, um weder zu erschwitzen noch zu erfrieren und so konnten wir am nächsten Morgen frisch erholt und geduscht wieder zum Flughafen fahren, um nach Palanka Raya auf Borneo zu fliegen.
Dort angekommen wunderte Helmut sich noch, daß ein Indonesier genau den gleichen Koffer wie seine Frau Fritzi hatte und damit verschwand – und Fritzis Koffer war es dann auch, der gleich am 2. Tag abhanden gekommen war.
David, der britische Humanmediziner, kümmerte sich derweilen um unsere mitgebrachten Medikamente für die Orangs und sorgte dafür, daß die Kühlkette dafür nicht unterbrochen wurde.
David und ich machten uns auf den Weg in die Station, während der Rest der Truppe am Flughafen mit den Kofferträgern verhandelte und darauf wartete, daß Fritzis Koffer zurückkam – denn ein anderer Koffer blieb bis zum Schluß herrenlos übrig, so daß es sich nur um eine Verwechslung handeln konnte und auch nach relativ kurzer Zeit der Irrtum bemerkt wurde.
Gemeinsam erreichten wir die Station Nyaru Menteng, dem Orang Utan-Waisenhaus, und waren sofort mitten im Geschehen.
Kurze Zeit vorher wurde neuer Sand aufgeschichtet und bot eine neue Spielwiese für die quietschvergnügten roten Pelzträger und wir lernten Lexi ("Miss Frisur"), Bebe und die magere Lau kennen. Sie alle steckten ihre Köpfe in den großen Milcheimer und kamen mit einem Milchbart wieder heraus oder kippten sich die Milch gleich ganz übers Gesicht. Alle drei hatten einen anstrengenden Tag in der Waldschule hinter sich und ließen den Tag mit Spielen ausklingen, bis es Zeit wurde, mit dem Sonnenuntergang die Schlafnester aufzusuchen.
Astonia, eine achtjährige Dschungelschönheit, kämpfte derweilen in der Krankenstation um ihr Leben. Ihr Körper war von dem Thyphus gezeichnet, doch ihr Blick sprach immer noch Bände und sie war noch nicht bereit, aufzugeben. Ein anderer wesentlich jüngerer Orang kurierte am Tropf auf einer Matratze liegend seine Malaria aus.
Unser Schlafgemach bezogen wir in der Eco-Village, fern ab von Strassen in der Nähe eines verlassenen (In-)Sekten-Dorfes.
Der Schnellimbiß hatte schon geschlossen ;) – aber wir hatten auf der Fahrt viele Früchte besorgt und vergaßen über Wassermelone und Papaya unseren Hunger. Die abendliche Dusche in der finsteren "Duschkabine" brachte Erfrischung und Abkühlung und mit lautstarkem Grillengezirpe und Geckozählen klang der Abend aus.
Den nächsten Morgen begannen wir mit Warten. Warten auf... ja, auf was eigentlich? Ach ja, das Frühstück! Da kam auch schon das Essen auf Rädern – liebevoll von Einheimischen gekocht, mehrere Töpfe gestapelt und auf dem Mofa geliefert.
Die richtige Würze verlieh dem Essen die "Borneo Gewürzmade": Kleine Bewohner des gekochten Gemüses, dem wir liebevoll diesen Namen gaben.
Zurück in der Station Nyaru Menteng trafen wir die von ihrer Krankheit gezeichneten Lone Dröscher-Nielsen und konnten unsere Berge an Medikamenten und medizinischen Utensilien überreichen.
Wertvolle und dringend benötigte medizinische Werkzeuge kamen unter anderem von Marika, der wir herzlich danken und natürlich auch Peter, Sabine & Ruth für die wundervolle Unterstützung! David konnte noch in der gleichen Nacht damit einem Orang das Leben retten!
Lone war sichtlich geschwächt und sollte schnellstens wieder nach Hause. Zum Glück kümmert sich David mit einer Menge Wissen und Erfahrung in Sachen Tropenkrankheiten um sie.
Aber wie Lone so ist, musste sie mehrfach ermahnt werden, nun endlich Arbeit Arbeit sein zu lassen und sich um sich selbst zu kümmern.
Durch unsere sehr kleine Gruppe war es dann für Doris und mich möglich, mit May in die Orang-Waldschule zu gehen und den Kleinen bei ihren täglichen Aufgaben und Lernprozessen zuzusehen. Über faszinierendes Wurzelwerk stolperten wir über morastartigen Boden und wurden stets von dem frechen Micky aus der Fortgeschrittenen-Klasse verfolgt.
Wir liefen immer weiter über Baumwurzeln, die sich in den Erdboden hinein-und dann hinauswanden wie große braune Schlangen. Die Erde war mit Laub in allen erdenklichen Farben bedeckt.
Ich kannte Micky bereits von früher und auch dort war er stets aufmüpfig, frech und fand immer einen Weg, die Neulinge im Wald zu berühren und zu foppen.
Doch mittlerweile ist Micky 2 Jahre älter und schneller geworden... Wir hatten unsere liebe Mühe, nicht in seine Nähe zu kommen, denn der Kontakt zu Orangs ist strengstens verboten! Erst nach einer vierwöchigen Quarantäne und Gesundheitschecks ist es wenigen Menschen gestattet, mit den Orangs in Kontakt zu kommen, denn die Gefahr, eine Krankheit zu übertragen, ist viel zu groß.
Während wir uns also über das Wurzelwerk mühten und versuchten, nicht zu stolpern, war es für Micky ein Leichtes, uns hangelnderweise einzuholen.
Ständig wurde er von seinem Babysitter, der Spaßbremse, wieder eingefangen, aber was ist das für ein Spaß, wenn mal Abwechslung in den Wald kommt und diese nur schlecht flüchten kann?
Über knietiefe Schlammlöcher mussten wir springen, verfolgt von Moskitos und hinter fast jedem Baum lauerte ein neuer neugieriger Orang. Schnell mussten wir die Gruppe der Halbwüchsigen verlassen, denn sie waren einfach zu schnell für uns. Ruhiger ging es dann in der Gruppe der 1–3jährigen zu. Hier wurden die Augen immer größer als sie uns sahen, denn so oft wird denen dort von europäischen Fremden kein Besuch abgestattet.
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»Nehmen wir an, wir stießen bei einer unserer Weltraummissionen tatsächlich einmal auf intelligente Wesen – Wesen, deren genetischer Code mit dem unseren zu mehr als 98 Prozent identisch ist. Wie viel Geld würden wir wohl ausgeben, um sie zu erforschen? Es gibt solche Wesen. Sie leben auf der Erde, und wir lassen es zu, dass sie für immer ausgelöscht werden.«
– Irven DeVore, Pionier der Freilandforschung an Primaten – (zitiert bei Andreas Paul, 1998) |
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Einige ließen sich von uns nicht stören, gingen weiter ihrer Tätigkeit nach und ein Orang sah seine Karriere als Filmstar kommen, setzte sich in Sonne und posierte vor der Kamera.
Die Aufnahmen wurden genial und er wiederholte sein Schauspiel mehrere Male. Doris, der Zahntechnikerin, wurden hier gigantisch braune Zähne demonstriert, die sie wohl so schnell nicht wieder vergessen wird.
Nach langem Suchen fanden wir auch endlich Kesi wieder. Ihr wurde beim Töten ihrer Mutter eine Hand und mehrere Fußzehen abgetrennt, doch sie kommt mit ihrer Behinderung wunderbar zurecht und war ganz hoch in einem Baum zu finden. Ich habe sie schon 2 Jahre vorher fotografiert und wollte nun gerne ihre Fortschritte sehen.
Sie war von unserem Besuch nicht so ganz angetan und checkte die Lage lieber von ganz oben.
Sie hat sich wunderbar entwickelt!
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