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Wenige Stunden später sitzen wir wieder im Boot und fahren 3 Stunden lang den Kapuas herunter.
In Borneo ist es schwülheiß, man schwitzt den ganzen Tag. Also trinken wir auch den ganzen Tag, damit unsere Nieren nicht versagen.
Dieses wurde uns zwar nicht nur auf dieser Bootstour zum Verhängnis, doch hier ganz besonders. Denn was macht man im Dunklen auf einem Boot, wenn sich die Blase langsam aber stetig füllt und man keine Ahnung hat, wie lange man noch fährt?
Aushalten!
...und sich vor Augen führen, daß wir gerade erst besprochen haben, daß eine menschliche Blase so leicht nicht platzt und viel aushalten kann.
Eine weitere halbe Stunde später waren wir uns da allerdings alle nicht mehr so sicher.
Wir saßen gut verteilt in dem Boot, es war dunkel, wurde immer kälter, windig und fing auch noch leicht an zu regnen. Der Blaseninhalt bewegte sich rythmisch zu dem Schwanken des Motors. Niemand sprach ein Wort oder wagte es gar, sich zu bewegen. Jeder führte seinen ganz eigenen Kampf mit sich selbst und seiner vollen Blase, die mittlerweile schon schmerzte. Links und rechts des Flusses war alles stockfinster. Kein Dorf, keine Zivilisation in Sicht. Als einer von uns es nicht mehr aushalten konnte, baten wir Jenny, den Bootsführer zum Anhalten zu bewegen. Jenny gab es weiter, doch leider hatte sie mit ihrem Kommentar "there is all forest" Recht. Links und rechts waren nur Mangrovenwälder, die tief ins Wasser hineinragten. Ein Aussteigen, zumal ohne Licht war unmöglich bis gefährlich und sinnlos.
Unsere Frage, wie lange wir noch fahren, wurde mit "twenty minutes" beantwortet.
Wir waren inzwischen lange genug in Indonesien, um zu wissen, daß aus "twenty minutes" auch problemlos eine Stunde werden kann. Parallel kam auch von vorne vom Fahrer die Antwort "two hours". Da hatten wir also unser Problem.
Weitere 10 Minuten später, die uns allerdings wie zwei Stunden vorkamen, war Schluß. Wir konnten nicht mehr. Wir wollten jetzt und sofort auf eine Toilette, hinter einen Baum oder sonstwo hin.Durch unsere eindringliche und mittlerweile hysterische Art verstand es auch der Fahrer und wir trafen auf ein im Fluß stehendes Haus mit seiner ausgelagerten "Toilette". Toiletten sind hier winzige Holzverschläge auf Brettern schwimmend auf dem Fluß, mit einem Loch in der Bodenmitte.
Sozusagen ein Plumpsklo, nur daß man sein Geschäft direkt im Fluß erledigt und auch eigentlich immer nasse Füße bekommt, weil man mit dem gesamten Klo wenige cm eintaucht. Der Motor wurde ausgestellt und der Krach wurde abgelöst von beruhigendem Grillengetose.
Wir zogen das Boot mit den Händen an die langersehnte Toilette und kaum waren wir angekommen, sprangen wir vier Mädels aus dem Boot und platzierten uns auf dem Steg.
Langsam aber sicher ging das komplette Gebilde unter! So eine Stegtoilette ist für einen Indonesier mit vielleicht 40 kg ausgelegt, nicht für vier Europäer gleichzeitig. Also sprangen drei Mädels wieder ins Boot und mussten sich gedulden.
Eine nach der anderen konnte den Krampf in der Blase lösen und gleichzeitig stieg auch die Stimmung wieder, es fanden Gespräche statt und keiner saß mehr so verkrampft auf seinem Platz.
Nach 20 weiteren Minuten erreichten wir unser Ziel.
Wir hofften, nun völlig fertig in unser Hotelzimmer fallen zu können, doch sollte erst noch eine zweistündige Autofahrt stattfinden. Wohlweißlich hatte niemand von uns mehr etwas getrunken... Die Fahrt führte vorbei an mobilen Verkaufsständen, die lebende Fledermäuse zum Essen anboten.
Spät in der Nacht und vollkommen übermüdet, erreichten wir unser Hotel. In freudiger Erwartung auf eine Dusche und ein Bett betraten Doris und ich unser Zimmer und wurden eines besseren belehrt.
Der dicke rosa Flokatiteppich war bei der Luftfeuchtigkeit an vielen Stellen verschimmelt, die Luft war durch die alte Klimaanlage SEHR schlecht und ein Fenster konnte man auch nicht öffnen. Das Bett versprach keine gute Nacht zu werden.
Wir sollten nicht die ersten Gäste in dieser Bettwäsche sein. Auf dem Bettlaken fanden wir lange schwarze Haare, weiße und gelbe Flecken und viele Dinge, die wir nicht näher untersuchten.
Wir legten die "saubersten" Decken nach oben und nahmen wohl oder übel eine Dusche.
Dabei nutzten wir Badelatschen und versuchten, auf gar keinen Fall mit irgendetwas unsere nackte Haut zu berühren außer mit Wasser.
Doris hatte das Pech, eine komplett kalte Dusche zu haben, bei mir war es im Anschluß immerhin lauwarm.
Wir wickelten uns in Hosen, Langarmshirts, Handtücher und unseren Schlafsack und schliefen über all das ein.
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Zum Frühstück gab es undefinierbare Sachen und für uns Bananenbrot. Zum Glück gibt es wenigstens Bananen fast überall.
Wir bestellten gleich eine ganze Staude.
Mit dem Auto ging es von hier zum Flughafen Benjarmasin, wo uns die Verspätung unseres Fluges nicht wirklich überraschte.
1,5 Stunden dauerte der Flug nach Balikpapan, währenddessen uns "Köstlichkeiten" der indonesischen Küche serviert wurden. Mein Hunger war wohl noch nicht groß genug...
In Balikpapan angekommen, machten wir uns auf den Weg in unser Stamm-Reisebüro, von wo wir die weiteren Flüge planten.
Während Helmut mit dem Inhaber des Reisebüros in Gespräche vertieft war, machten wir Mädels uns auf ins Shoppingcenter Matahari. Dort war es kühl, laut und es gab etwas zu essen!
Ich steuerte zielsicher auf den Waffelbäcker zu und bestellte eine Bananen-Schokowaffel. Es sollte nicht meine letzte sein!
Ein Verkaufsschlager dort ist die Käse-Schokoladen-Waffeln, doch ich bin in der Hinsicht eher konservativ.
Im Anschluß brachte uns unser Fahrer in einer einstündigen Fahrt zu unserem Ziel Samboja Lestarie.
Der Weg durch das Samboja-Gebiet ist weiter zugewachsen und die Bäume sind ordentlich in die Höhe geschossen, soweit man das in der Dunkelheit ausmachen konnte.
Die Lodge erstrahlt in bekanntem Glanze und Mr. Jan empfängt uns freundlich. Lina und Herda arbeiten auch immer noch dort und freuen sich übermäßig, uns wiederzusehen.
Mit einem leckeren Buffett und in Fotoalben blättern lassen wir den Tag ausklingen.
Vor dem Schlafengehen fangen wir allerdings noch Spinnen der etwas größeren Modelle aus unseren Zimmern und genießen eine eisige Dusche mit spitzen Schreien.
Unter einem Mückennetz auf einem bequemen Bett wird die Nacht extrem erholsam.
Am nächsten Morgen ist unsere Marion wieder sehr krank, die schon die ganze Reise über sehr angeschlagen war. Wir zwingen sie zur Bettruhe und marschieren zu dritt mit unserem Guide Argus zu den Pulau Orangutan, den Orang-Inseln.
Unserem Guide sehen wir an, daß er lieber mit dem Auto gefahren wäre und nicht begeistert von unserem Plan ist.
Mit viel Wasser geht es los zur ersten Oranginsel. Anfangs ist Argus noch recht schüchtern und man muß ihm jede Info aus der Nase ziehen. Doch er soll uns auch die nächsten Tage begleiten und ich glaube, manchmal wünschte er sich andere Leute an seiner Seite ;)
Von den Oranginseln wandern wir weiter zu den Malaienbären und als erstes erkenne ich den flugunfähigen Adler in seinem Käfig wieder. Argus zeigt uns das riesige Bärenareal und wir dürfen bei der Fütterung zusehen. Weiter oberhalb des Geheges ist noch ein kleines weiteres Gehege. Bei meinem letzten Besuch saß dort ein Hornvogel, jetzt aber war es ein winzig kleiner Malaienbär. 8 Wochen alt, pechschwarz mit stahlblauen Augen und kleinen ledernen Pfötchen. Völlig quirlig und quietschvergnügt, lief er immer am Gitter entlang, spielte mit allem, was greifbar war.
Arkana ist eine Waisenbärin. Ihre Mutter wurde von Wilderern getötet, die mit ihrer Gallenblase und ihren Pfoten auf dem Schwarzmarkt große Gewinne erzielen wollen. Der Anblick von Arkana formte selbst Argus ein Lächeln ins Gesicht. Ihr Gehege wurde geöffnet und Arkana raste heraus. Wie schnell man auf so winzigen Pfoten laufen kann! Für Arkana war alles eine riesige Spielwiese. Selbstbewusst und fordernd lief sie über Stock und Stein. Ihr bevorzugtes Ziel: unsere Schnürsenkel!
Für Fotografen kein leichtes Spiel. Bei diesen schlechten Lichtverhältnissen und diesem überaus quirligem Motiv keine einfache Aufgabe.
Arkana kugelt sich über das Laub, greift einen Ast an oder versucht, an uns hochzuklettern.
Nur ungern lassen wir diese süße schwarze Maus zurück.
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