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Den nächsten Morgen hatten wir zur freien Verfügung und so entschlossen wir uns, nochmals zu dem sunbear sanctuary, dem Malaienbärengehege, zu gehen. Arkana hatte sich doch schon tief in unser Herz geschlichen...
Zu Argus' Enttäuschung wollten wir auch diesen Weg wieder zu Fuß auf uns nehmen.Wir kamen gerade richtig zur Fütterung und verteilten Wassermelonen und Bananen. Die Bären, die sich noch in Quarantäne befanden, mussten diese Zeit in einem kleinen Käfig absitzen. Da die Versorgung mit fließend Wasser seit zwei Tagen unterbrochen war, waren die Käfige voll mit Exkrementen, denn sie konnten nicht ausgespült werden. Es stank furchtbar.
Ein kleiner Bär wurde von einer schrecklichen Hautkrankheit geplagt. Er war völlig nackt und abgemagert. Zum Glück fraß er aber gut und laut Pfleger hatte er auch schon zugenommen.
Wir fütterten auch noch die gesunden Bären im großen Areal und sahen uns das Schauspiel eine Weile an.
Doch dann wollten wir zu Arkana. Die kleine Bärin marschierte bereits umher und ihr Pfleger fütterte sie mit Milch aus der Flasche. Der tapsige Lederfüßler hatte nur ein Ziel: spielen, spielen, spielen! Sie sprang an kleinen Bäumen hoch und rutschte wieder hinunter. Sie jagte unsere Schnürsenkel und biß sich an den Schuhen fest. Sie verfolgte uns und war garantiert schneller und geschickter, wenn es darum ging, durch das Geäst zu laufen.
Zwischendurch holte sie sich immer wieder einen Schluck Milch ab. Jedes Menschen-oder Tierbaby wäre irgendwann mal müde geworden – Arkana nicht!
Wie ein kleines Duracell-Häschen lief und lief und lief sie.
Bei unserem mittäglichen Lunch sollten wir uns fürs Bäumepflanzen stärken, doch die Portionen wurden immer kleiner. Bei uns wäre das ganze maximal als dekorative Vorspeise durchgegangen. Zum Nachtisch gab es immer einen Teller mit abgezähltem Obst. Egal, ob man wie wir zu dritt oder alleine aß, jeder Tisch bekam einen Teller Obst.
Wir überlegten kurz, ob wir von nun an getrennt essen sollten, jeder an einem Tisch...
Wenig gestärkt fuhren wir durch Samboja zur Jahiar 35, um dort unsere eigenen Bäume zu pflanzen. Viermal musste ich nach Borneo kommen, um endlich einen Obstbaum zu pflanzen.
Ich schnappte mir sofort den Mangosetzling und wir bekam unsere übliche Einweisung, wie man Bäume pflanzt. Marion und Doris pflanzten jeweils einen Rambutanbaum.
Im Anschluß konnte ich es mir nicht entgehen lassen, meinen Baum von 2004 zu suchen. Er stand im memorial forest und ich wusste auch noch ungefähr, wo...
Nur "leider" hat sich in den vergangenen vier Jahren das Landschaftsbild drastisch verändert.
Das Gras ist mannshoch und viele Bäume sind stattlich gewachsen.
Mein Anhaltspunkt war ein verbrannter dicker Baumstamm, der genau hinter meinem gepflanzten Baum lag. Leider kam man durch das Dickicht nur sehr schwer voran, der unebene Boden, in dem man oft einsackte, machte die Sache nicht leichter. Marion war sogar kurzzeitig ganz verschwunden.
Sie hatte ein riesiges Loch gefunden und schaute es sich von unten an. Zum Glück fällt man dank des Grases immer weich.
Die gepflanzten Bäume hatten noch die mehr oder weniger gut erhaltenen Schilder, so daß wir Helmuts und Peters Baum wiedergefunden hatten. Anhand derer konnte ich mich weiter orientieren und tatsächlich fanden wir ihn wieder: meinen dinocarpus longan-Baum, ein Dragon-eye-Baum, der zu den Seifenbaumgewächsen gehört.
Er war jetzt, sagen wir, nicht wirklich gigantisch gewachsen, aber er lebt und ich bin stolz auf ihn!
Nach einer Mittagspause, die unser Körper auch dringend brauchte, fuhren wir abends zum Wochenmarkt der Einheimischen in Samboja-Stadt. Sedic und Wuan begleiten uns. Es erwartete uns ein buntes Treiben, viele Marktfrauen präsentierten ihre Waren ordentlich drappiert auf Decken. Es gab Gemüse, getrockneten Fisch, aber auch riesige Stände mit gebrannten CDs, Kleidung oder Drogerieartikeln.
Daß wir da waren, sprach sich schnell herum. Sedic war sichtlich stolz, uns über den Markt zu führen und dem einen oder anderen vorzustellen.
Mehrfach gingen wir durch immer die gleichen Gassen, denn sehr groß war es dort nicht.
Irgendwann wurde ich fündig: Quietscheschuhe!
Kinderschuhe, die bei jedem Schritt ein quietschendes Geräusch von sich geben.
Ein Geschenk, mit dem man Eltern auf die Palme bringen kann und eine Freude für jedes Kind!
Inmitten des Geschehens saß ein ruhiger etwas dickerer Junge und beobachtete uns. Als wir nach seinem Namen fragte, trauten wir unseren Ohren nicht: "Hermann"!
Uns wurden glitschige geschlachtete Hühner mit Füßen angeboten und wir zogen die neugierigen Blicke magisch an.
Trotz des nicht unerheblichen Hungers lehnten wir die "leckeren" Hühnerhappen, die in einem riesigen Ölfass im Fett brutzelten, dankend ab.
Am Randes des Marktes spielten viele Kinder. Eins saß dabei immer in einem Pappkarton und erinnerte mich sehr an "Kai in der Kiste" oder "Karlsson vom Dach".
Ich wollte den kleinen Jungen fotografieren und schon war die Kinderschar doppelt so groß und jeder wollte mit aufs Foto. Ich hatte noch einige Luftballons dabei, die wir nun im Akkord aufpusteten, denn jedes Kind wollte einen haben.
Dabei ging es aber sehr gesittet zu, jedes Kind wartete, bis ein Luftballon fertig war und die größeren holten jeweils einen für ihre kleineren Geschwister, die sich nicht getraut hatten.
Was wir nicht wussten, war, daß wir mitten in einer Art Kindergarten standen.
Die Betreuer baten uns ins Haus und erklärten uns, daß dies ein Hort für all die Kinder sei, deren Mütter auf dem Markt Waren verkaufen.
Leider gab es in dem Haus keine Elektrizität, so daß der Raum nur mit Kerzen beleuchtet war und das Klima nicht wirklich verbesserte.
Die Kinder waren völlig aus dem Häuschen und posierten vor der Kamera, was das Zeug hielt. Ich glaube, die Betreuerinnen haben die kids selten so ausgelastet gesehen.
Völlig verschwitzt machen wir uns aus den Heimweg. Dort soll noch eine behaarte Überraschung auf uns warten.
Wenn ein Indonesier seinem britischen Chef panisch von einer Spinne berichtet, MUß man das ernst nehmen!
Und da war sie: eine echte Tarantula auf dem Weg ins Männerklo.
Ca. 15 cm lang mit acht braun behaarten Beinen. Wow, DIE war groß!
So ein Exemplar hatten noch nicht mal die Angestellten vorher gesehen. Der Beweis, daß das Projekt Samboja Lestarie funktioniert und die Tiere von alleine in das Gebiet zurückkehren! Es wurden Taktiken entwickelt, wie und wer nun am besten das Tierchen einfängt und woanders aussetzt und zwei Mutige machten sich ans Werk. Danach waren alle großen Spinnen in unserem Zimmer doch sehr klein!
Wie sich das doch relativiert!
Wir hatten vom Markt grüne Räucherstäbchen mitgebracht, die einem die ganze Nacht die Moskitos vom Hals halten sollen. Schnell ein paar Streichhölzer organisiert und es funktionierte wunderbar.
Zur Vorbeugung wollten wir am nächsten Morgen ein weiteres qualmendes Räucherstäbchen im Zimmer anzünden, doch durch die Luftfeuchtigkeit waren die Streichhölzer in einer einzigen Nacht aufgequollen, der rote Kopf blätterte vollkommen ab und bei der kleinsten Reibung brachen die Hölzer durch... Da wundert man sich nicht mehr, daß die Klamotten einfach durchgängig muffig riechen.
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Heute hatte wieder Argus das Glück, mit uns nach Balikpapan zu fahren. Zuerst fuhren wir zu dem wohl einzigen Postamt in ganz Kalimantan und beglückten die Angestellte mit dem wohl größten Kauf an Briefmarken, den sie je hatte. Im Anschluß wollte ich gerne den local market nochmals besuchen. Eine riesige Halle mit Lebensmittelständen dicht an dicht, eben typisch indonesisch.
Gesagt, getan. Argus stiefelte tapfer mit seinen drei Frauen zum Shoppen.
Hier hatte sich nicht viel verändert. Die Bananenstrasse war noch da und die vielen hunderte frischen Eier, gelagert bei ca. 30 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit. Wir kämpften uns vor zu der Fleisch-und Fischhalle, einer Männerdomäne.
Hier wurden mit riesigen Baracudas und anderen tropischen Fischen posiert.
Selbst hier traf ich auf einen alten Bekannten, den ich schon zwei Jahre zuvor mit einem Fisch abgelichtet hatte.
Uns wurden Meerestiere aller Art, ein Hai, Krabben und andere riesige Fische angeboten.
Alles ohne Kühlung – so roch es auch. Dies war eher ein Markt für die Sinne, zum Shoppen gab es hier für uns nicht viel.
Wir fragten Argus nach einem weiteren traditional market, von dem ich schon bei meinen letzten Reisen gehört hatte, den aber niemand kannte, bzw. es ergab sich nie eine Möglichkeit.
Doch wir sollten Glück haben und wurden ca. 30 Minuten Stadtauswärts chauffiert, vorbei an den großen Ölraffinerien.
Hier waren wir nun die Attraktion schlechthin, denn wenn in Balikpapan-Stadt hin und wieder mal ein Westlicher unterwegs ist, war es hier kaum jemand.
Wir waren angekommen, der erste Blick verriet uns, hier gab es fast alles, was das weibliche Shoppingherz begehrte. Argus holte tief Luft und los ging's.
Wir kamen gar nicht weit, da fanden wir uns in einem großen (naja, "groß" ist hier relativ) Handwerksladen wieder.
Es gab Holzschnitzereien, eher afrikanisch anmutende Figuren, 1 m langes Salatbesteck und vieles mehr. Argus musste jedes Mal den Preis verhandeln.
Die schmalen Holzfiguren auf einem Sockel, die einen großen afrikanischen Touch aufwiesen, gab es jeweils in verschiedenen Größen und vielen verschiedenen Formen und Farben. Von einer Sorte gab es immer vier verschiedene Größen und wir fragten, ob man die einzeln kaufen kann. "Ja, natürlich!" war die Antwort.
Doch je länger wir überlegten, uns nicht entscheiden konnten und uns selber eine Kombination zusammenstellten, umso schneller sah der Verkäufer seine Chance und sagte nun, daß das alles Familien seien, die wären jeweils nur zusammen zu verkaufen.
So verließen wir mit jeweils einer "Familie", kleinen Bongotrommeln, einem bornesischem Sommerdress für Kinder, einer zauberhaft klingenden Gitarre und einer Holzschnitzerei den Laden.
Ich glaube, der Verkäufer hat für den Rest des Jahres seinen Laden schließen und sich zur Ruhe setzen können.
Leider entdeckten wir in einem Teil des Marktes drei Schädel unterschiedlicher Größe. Ich fragte Argus, um welches Tier es sich hier handeln würden und er antwortete verlegen und leise "Sorry, it's ape".
Die Schädel waren sehr klein und ich vermutete Makakenschädel, doch Dr. Willie Smits, den wir später trafen, bestätigte anhand der Fotos, daß es sich tatsächlich um Orang Utan-Schädel handelte.
Von den Schwarzmarktverkäufen habe ich immer gehört und gelesen... jetzt stand ich mittendrin.
Argus folgte uns pflichtbewusst und führte mit jedem Verkäufer die Verhandlungen. Doris und ich entdeckten zwei riesige Holzschilder mit bornesischen Schnitzereien und der Verkäufer schlug bei unserem Anblick gleich mal 500% auf den Preis auf.
Aber Argus regelte alles für uns.
Wieviele Männer gibt es wohl, die mit drei Frauen über mehrere Stunden willig shoppen gehen, die Preise verhandeln und nachher noch alles zum Auto tragen?
Wir waren ganz begeistert von ihm, wurden aber den Eindruck nicht los, daß er bei dem nächsten Besuch von europäischen Frauen in der Samboja Lodge doch lieber den Dienst in der Waschküche antritt! ;)
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